BESONDERER FOKUS

Bruxismus, Kiefergelenk

Im Alltag haben Zähne beim Kauen, Schlucken und Sprechen ca. 30 bis 40 Minuten direkten Kontakt miteinander. Die übrige Zeit sollten Kiefer und Kaumuskulatur entspannt sein. Es kann zu erheblichen Beeinträchtigungen führen, wenn das Kausystem und die Muskulatur dauerhaft angespannt sind. Funktionsstörungen (Dysfunktionen) im Bereich des Schädels (Cranium) und Unterkiefers (Mandibula) und seiner benachbarten Strukturen werden unter dem Krankheitsbild „ Cranio-mandibuläre Dysfunktionen“ (CMD) zusammengefasst. Oftmals werden sie auch nur als „Myopathie“ oder „Myoarthropathie“ bezeichnet.

Symptome

Funktionsstörungen der Zähne, Kaumuskulatur oder Kiefergelenke sind meist an folgenden Symptomen zu erkennen:

  • Knack- und Reibegeräusche der Kiefergelenke
  • Nächtliches Zähneknirschen und -pressen vor allem in Stresssituationen
  • Muskelverspannungen mit ausstrahlenden Schmerzen in Kopf-, Gesichts-, Nacken und Schulterbereich
  • Ohrenschmerzen und Tinnitus (Ohrgeräusche)
  • Bewegungseinschränkung des Unterkiefers
  • Herausbrechen von Zahnfragmenten oder Zahnhalsfüllungen
  • Schmelzrisse in den Frontzähnen / ausgefranste Schneidekanten

Ursachen

In unserer modernen stressbelastenden Welt, in der wir immer wieder Situationen ausgesetzt sind, in denen es heißt, „die Zähne zusammenzubeißen“, verwenden wir unser Kauorgan zunehmend als „Stress-Verarbeitungs-System“, ohne dass die Anatomie unseres Körpers Zeit gehabt hätte, sich dieser Mehrbelastung anzupassen. Weder Kaumuskeln, noch Kiefergelenke, noch die Zähne selbst sind für den verlängerten Zahnkontakt durch teilweise stundenlange monotone Knirschbewegungen (Bruxismus) oder andauerndes Aufeinanderpressen geschaffen.

Ursachen für diese Fehlfunktionen können sein:

  • Veränderter Biss durch Zahnfehlstellungen und prothetische Versorgungen hervorgerufen
  • Seelischer Stress / Prüfungsstress
  • Berufsbedingte Fehlhaltungen des Kopfes, schlechte Sitzhaltung, Schlafen auf dem Bauch
  • Familiär disponierter Bruxismus
  • Lageveränderung des Kiefergelenkes auf Grund von Zahnverlust in den Stützzonen
  • Systemische Erkrankungen des Körpers (Polyarthritis)

Therapie

Alle Therapien von Funktionsstörungen zielen darauf ab, das ursprüngliche Gleichgewicht zwischen Muskulatur und Kiefergelenk wieder herzustellen. Nach sorgfältiger Diagnosestellung, verbunden mit einer Funktionsanalyse des Kauorgans, wird, je nach Ursache, die entsprechende Therapie eingeleitet. Zum Einsatz kommen dabei spezielle Aufbissschienen zur Bisskorrektur, Physiotherapie, kieferorthopädische und restaurative Maßnahmen. Wir arbeiten in einem Netzwerk mit Physiotherapeuten, Orthopäden, HNO-Ärzten und Kieferorthopäden zusammen.

Aufbissschienen

Schienen dienen der Entspannung der Kaumuskulatur, ebenso wie der Dekompression der Kiefergelenke und der Entlastung der Zähne, einschließlich des Zahnhalteapparates. Ziel der Schienentherapie ist, Parafunktionen wie Bruxismus (Zähneknirschen oder -pressen) abzubauen, das Zusammenspiel von Kiefergelenk und Kaumuskulatur zu harmonisieren und unphysiologische Zahnkontakte zu verhindern. Sie schützen die Zähne vor weiteren Attritionen und Abrasionen (Substanzverlust durch Reibung). Durch die Neugestaltung des Oberflächenreliefs verteilen sich die einwirkenden Kräfte neu und entlasten das Kiefergelenk. Beschwerden und Schmerzen können gelindert und im besten Fall ganz beseitigt werden.

Physiotherapie

Wärme- und Kältetherapie, manuelle Therapie und Massagen führen zur Reduktion der Muskelverspannung und schmerzhaften Myogelosen (Muskelknötchen). Es werden Ihnen Übungen gezeigt, um daheim bewusst die Kaumuskulatur zu lockern und zu entspannen.

Einschleiftherapie

Nach erfolgreicher Aufbissschienentherapie und Beschwerdefreiheit müssen gegebenenfalls kleinere Korrekturen wie Vorkontakte in Form einer Einschleiftherapie beseitigt werden.

Kieferorthopädie

Sollten Ihre Fehlfunktionen durch Zahnfehlstellungen bedingt sein, werden wir Sie in Zusammenarbeit mit einem Kieferorthopäden therapieren.

Restaurative Maßnahmen (Prothetik)

Bei größeren Diskrepanzen (Bisslageveränderung, abgesunkener Biss etc.) kann nach erfolgreicher Aufbissschienentherapie eine prothetische Rekonstruktion unterschiedlichen Ausmaßes einzelner Zähne, ganzer Zahngruppen oder eines kompletten Kiefers notwendig sein.

Muskelentspannende Medikamente

Nur in sehr schweren Fällen werden temporär muskelentspannende Medikamente verabreicht.